Technologiewandel vom Verbrennungs- über den E-Antrieb zum Brennstoffzellenauto


Veröffentlicht am 20. Mai 2021


Eine Dekade haben wir den öffentlichen Diskurs gepflegt, ob das elektrisch angetriebene Auto oder das verbrennungsmotorisch angetriebene Auto besser ist. Und heute im Rückspiegel betrachtet kann man sich fragen, wer diese Frage gestellt hat und ob sie überhaupt relevant ist.

Heute diskutieren wir die Brennstoffzelle kontra die Batterie. Dabei ging es doch nie um das Besser oder Schlechter, sondern eigentlich „nur“ um Fortschritt. So wie es immer war: Eine neue Technologie taucht auf, hat Anfangsschwächen, gerade im Vergleich zur langjährig optimierten Bestandstechnologie. Sie kommt demnach auch langsam oder schnell in den Markt, ganz davon abhängig, wie früh der spürbare Kundenutzen zum Tragen kommt.

Aber gerade weil das Auto ein emotionales Thema ist, trafen sich hier wirtschaftliche Interessen einer ganzen Industrie mit persönlicher Verlustangst der Kunden, z.B. wegen mangelnder Reichweite. Auch Freude am Neuen und Weltverbesserungsgefühle durch lokale Emissionsfreiheit kamen hinzu.

Lobbyisten spielten virtuos das Spiel „rein in und raus aus den Pötten“, schien es doch zunächst so, als ob die öffentliche Meinung früh in Richtung E-Auto kippt, durch das allgegenwärtige Thema Klimawandel. Alsbald wurde im öffentlichen Diskurs ein durch Expertisen hinterlegtes Stigma befördert: Die E-Auto-Vorteile (z.B. lokale Emissionsfreiheit im Fahrzeugbetrieb) würden schon vor Beginn der Nutzungsphase aufgezehrt, nämlich durch eine energieaufwendige Produktion. Das ganze Potpourri wurde noch zusätzlich angefeuert durch die Diskussion, wonach der Verbrauch mittels fossiler Energien gewonnenen Stroms gesamtbilanziell zu mehr klimaschädlichen Emissionen des E-Autos führt als beim Verbrennungsmotor.

Stigma ist wohl der richtige Begriff. Viele wissen nicht, dass schon ein wenig Recherche genügt um herauszufinden, dass der heutige deutsche Strommix zwar einen großen Gas- und Kohleverstromungsanteil hat, dieser aber rückläufig ist durch die Abschaltangebote des deutschen Staates an Betreiber fossil befeuerter Kraftwerke.

Und wenn der Wahrnehmungsstachel erst einmal tief sitzt, wonach ich als Nutzer eines E-Autos Schlimmes anrichte, dann bleibt das lange schwere Bürde auf der persönlichen Präferenz vieler Autokäufer.

Mittlerweile flacht die Diskussion „Batterie-/Verbrenner-Auto“ etwas ab, füllen sich doch die Ladestellen mit Teslas und VW-ID-Autos. Allerdings, als hätte man aus der erwähnten Diskussion nichts gelernt, steigt man sogleich wieder in die Entweder-Oder-Diskussion ein in Hinsicht auf Brennstoffzellen- und Batterieauto.

Bei einer differenzierten Sichtweise wird klar, dass Brennstoffzellen- und Batterieauto keine Gegensätze sind, sondern dass das Brennstoffzellenauto ein batterieelektrisches Auto mit einer kleinen Batterie und zusätzlich einer Brennstoffzelle ist.

Zuerst müssen wir das Batterieauto richtig beherrschen, dann können wir es beim Brennstoffzellenauto besser machen! Denn wer ein mittelmäßiges E-Auto mit der weltbesten Brennstoffzelle verheiratet, erntet immer noch nur ein mittelmäßiges Brennstoffzellenauto!

Es ist abzusehen, dass das „Entweder-Brennstoffzellen-oder-Batterieauto“ zumindest solange hierzulande in der Diskussion sein wird, bis wir den Rückstand in Sachen E-Mobilität aufgeholt haben oder der Marktdurchbruch beim Brennstoffzellenauto geschafft ist.

Eines ist klar, es führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen auch das weltbeste Batterieauto bauen, wenn Deutschland weiter als automobiltechnischer Leader wahrgenommen werden soll!

Dr. Ulrich W. Schiefer, AtTrack, 17.5.2021

Bildquellen: AtTrack, Pixabay, Media.daimler.com


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